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Bewusstwerdung
Freiheit
Lebenskraft

Warum man den vermeintlichen Gegnern dankbar sein kann

GLR | 28.9.2019

Sie werfen einen auf sich selbst zurück.

Mir ist das zum ersten Mal aufgefallen bei einem Nachbarn, der sich aus mir völlig unerfindlichen Gründen entschlossen hat, mit mir nicht mehr zu reden. (Ich habe ihn auch danach zu fragen versucht, aber er wollte mir nicht antworten.) Zuerst hat mich das gestört, in gewisser Weise sogar gekränkt. Gerade weil ich nicht wußte, was die Ursache für die entstandene Kluft war. Ich bildete mir dann in meinem eigenen Denken eine Reihe von Urteilen über diesen Menschen und sah in ihm ein besonders unglückliches, gescheitertes Exemplar Mensch. Jedes Mal, wenn ich ihm begegnete, hatte ich ein schlechtes Gefühl. Das schob ich alles auf ihn, denn an mir lag es ja offensichtlich nicht.

Ich bin dann darauf gekommen, daß mir sein Verhalten hilft. Es hilft mir, zu erkennen, wo ich Erwartungen habe und wo ich meine, auf freundliche Behandlung von außen angewiesen zu sein, diese quasi einfordern zu können. Ich sehe jetzt, daß das ganze Problem auf meiner Seite besteht und daß ich das Unbehagen selbst erschaffe. (Was in ihm vorgeht, ist allein seine Sache und geht mich gar nichts an. Ich muß ihm auch nicht "helfen", aus seiner selbstgewählten Blockade herauszukommen oder seine eigenen Projektionen auf mich loszuwerden.) Wie ich im ersten Satz schon festgestellt habe: Es passiert nichts anderes, als daß ich auf mich selbst zurückgeworfen werde, und das ist ohne Einschränkung positiv. Es ist eine Hilfe, ja sogar eine Unterstützung, nur eben anders als gewohnheitsmäßig von mir erwartet.

Genau so kann man auch das Verhalten der deutschen politischen Führung dem Volk gegenüber betrachten. Das Volk, und damit meine ich nicht einen abstrakten Begriff oder ein idealisiertes, mythologisch aufgeladenes Etwas, sondern die Mehrheit der Mitbürger in dieser Kultur, also die einzelnen Menschen in ihrem jeweiligen Erleben und Fühlen, wird ebenfalls auf sich selbst zurückgeworfen. Jeder einzelne Mitbürger wird das. Es setzt ihn unter Druck, wo er vorher diesen Druck nicht spürte, weil alles für ihn besorgt wurde und er sich nicht weiter mit seiner Rolle in Bezug auf Freiheit oder Unfreiheit, Recht oder Unrecht, Wahrheit oder Lüge, Selbstverantwortung oder Verantwortungsvermeidung auseinanderzusetzen brauchte. Eben das wird ihm jetzt aber nicht erspart. Er muß Farbe bekennen. Er muß aus dem bequemlichen Konsumenten- und Fürsorgeempfänger-Dasein herauskommen, ob er will oder nicht. Wenn er nicht aufwachen will, dann wird der Druck eben so lange und so weit erhöht, bis er wohl oder übel mit den Tatsachen zusammenprallen wird.

Man kann diese Situation als problematisch sehen, aber auch sie ist nicht nur hilfreich, sondern notwendig. Das Projizieren (ob auf meinen Nachbarn, als einen dummen, bösen, der Täuschung unterliegenden Menschen, oder auf die politische Führung als einer verräterischen, schlechten oder kriminell gewordenen) ist nichts als das Verweigern der hilfreiche Lehre, die in der gewohnheitsmäßig abgelehnten Situation steckt. Man muß nur genauer hinschauen, dann sieht man es.

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