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Bewusstwerdung
Freiheit
Lebenskraft

Dummheit bestraft sich selbst

GLR | 19.9.2019

Gleich bei mehreren Begebenheiten in jüngster Zeit, und gestern gleich zweimal, ist mir aufgefallen, wie Konflikte entstehen und was mein Anteil daran ist. Nehmen wir einmal an, der Konflikt wird nicht von mir, sondern von einem Gegenüber aufgebaut. (Ich setze mich hier nicht von vornherein ins Vorrecht, sondern ich konnte das gestern sehr klar beobachten, und dann brauche ich das auch nicht zu verdrehen.) Bislang reagierte ich stets so, wie auch fast jeder andere reagiert: Ich baute von meiner Seite her Gegendruck auf. Wenn man sich im Recht fühlt und automatisch in dieser Art reagiert, gesteht man sich aber nicht ein, selbst zum Teil des Konflikts zu werden, sondern findet Rechtfertigungen, so als wäre man der Wahrheit, der Sache als solcher oder dem eigenen Stolz, der eigenen Würde etc. verpflichtet, dem Gegenüber nicht einfach beizupflichten, sondern "die andere Seite" weiter aufrechtzuerhalten. Psychologisch bzw. emotional führt das aber immer schon auf beiden Seiten zu einem Unbehagen. Aber darum geht es nicht in erster Linie, und es geht auch nicht darum, dieses Unbehagen zu vermeiden. (Das ist ein typischer Irrtum einer gewissen Art von bemüht guten Menschen, die dann versuchen, ihre eigenen Gefühle zu dem umzubiegen, was sie moralisch für vertretbar halten.) Der Punkt, auf den es eigentlich ankommt, ist das Aufbauen von Gegendruck. Man fühlt sich im Recht, beharrt auf der eigenen Sicht und macht einfach weiter. Was das Gegenüber natürlich in der Regel ebenfalls macht. (Es folgt spiegelbildlich demselben Muster.)

Ich gelange jetzt zum Glück mehr dahin, zu beobachten, wo ich Erwartungen aufbaue. Die soeben beschriebene Situation ist ein gutes Beispiel für Erwartungen. Nehmen wir an, ich lasse das Verhalten, das Denken, die Meinungen und Ansichten des Gegenübers einfach stehen. Nehmen wir an, ich erkenne von Anfang an, daß er sich irrt. Weshalb müßte mich das betreffen? Der entscheidende Punkt ist, daß das Gegenüber die Folgen seiner eigenen Sichtweise selbst auszubaden hat, nicht ich. Es ist also wichtig, hier die Verantwortungen zu trennen. Würden die Ansichten des Gegenübers für mich eine direkte Konsequenz bedeuten und hätte ich Nachteile, weil ich genötigt wäre, ihnen zu folgen, dann könnte ich immer noch, ohne mich überhaupt auf ihn zu beziehen, meine eigenen Erkenntnisse umsetzen. Ich müßte noch nicht einmal widersprechen. Interessant finde ich hier aber etwas, das mir vorher noch nie so deutlich geworden war: Dummheit, Beschränktheit, Voreingenommenheit bestrafen sich selbst — es ist nicht meine Aufgabe, das zu tun. Sondern es liegt in der Logik der Sache, und die Sache ist hier von perfekter Gerechtigkeit. Dasselbe betrifft auch jede Art von Unausgeglichenheit, Unzufriedenheit, oder auch Ärger, Mißstimmung oder provozierend kämpferische Haltung des Gegenübers. All das ist immer bereits Selbstbestrafung, und zwar Selbstbestrafung in sich und aus sich selbst heraus, und zwar wunderbarerweise ohne daß irgendein Zutun von irgendeiner Seite (und auch von meiner nicht) dazu nötig wäre.

Ich kann das also loslassen. Was immer möglich — und keine Schande, kein Eingeständnis, keine Niederlage — ist: einfach wegzugehen, oder einfach zu schweigen.


Großartiges Bild von Jens Marionette (Sathya Deva):

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